Erwin Thoma

Die Geschichte einer Liebe zu Bäumen, die ansteckend ist

Erwin Thoma (Foto (c)JakobHirsch)
Erwin Thoma (Foto (c)JakobHirsch)

Erwin Thoma wurde 1962 in Bruck am Großglockner geboren. Er wollte Bergführer werden – die Erfahrungen aus unzähligen Aufstiegen ohne Seil prägen später seinen ungebremsten Willen, gesunde Häuser zu bauen. Seine Liebe zur Natur lässt ihn dann den Beschluss fassen, Förster zu werden und zieht mit seiner jungen Familie inmitten der mächtigen Baumriesen des Karwendels. „Sechs Jahre habe ich nur Bäume angeschaut“, beschreibt er liebevoll sein Selbststudium über die Geheimnisse des Waldes.  

Einschneidend für ihn waren die Begegnungen mit Geigenbauern, die bei ihm Holz für ihre Instrumente suchten. Als diese ihn ein Jahr später mit den gebauten Geigen wieder besuchten und für ihn und seine Familie ein kleines Privatkonzert gaben, war er fasziniert: „es war die Stimme eines Baumes, die ich vorher so noch nie gehört habe“.

Es folgte der Umzug aus dem Forsthaus in die Stadt – und damit auch die Krankheit seiner Söhne, die allergisch gegen den Leim der im Haus verbauten Spanplatten reagierten. Mit Unterstützung der Großvaters, ein gelernter Zimmermann, wurde das Haus um alle Spanplatten „erleichtert“ und die Kinder wurden wieder gesund. Der Entschluss stand jetzt fest: Erwin Thoma kündigte seinen Staatsposten und wurde – als gelernter Forstingenieur wie er immer wieder schmunzelnd betont - jetzt Holzhausbauer!  Anfang der 1990er Jahre gründete Erwin Thoma sein Unternehmen, um Häuser aus 100 Prozent Holz zu bauen – ein Weltpatent. Dabei werden Kanthölzer und Bretter stehend, liegend und diagonal zu kompakten Bauelementen geschichtet. Staubtrockene Buchenholzdübel durchdringen diese Schichten in der vollen Stärke des Wandelementes. Die Dübel nehmen an ihrem neuen Ort Restfeuchtigkeit auf und quellen unlösbar, wie fest verwachsene Äste, in die umgebenden Hölzer hinein. Kraftvoll verbinden sie so die Einzelteile zu einem massiven Ganzen.

Heute kann das Unternehmen bereits über 1000 Projekte in 33 Länder stolz vorweisen. Für seine Häuser hat Thoma bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. den Salzburger Innovationspreis sowie die bislang einzige „Cradle to Cradle“ - Gold - Zertifizierung für ein Baumaterial.

Erwin Thoma betreibt heute das europaweit mit Abstand größte Mondholzsägewerk. Seine Bäume werden ausschließlich in der Zeit der Saftruhe bei abnehmendem Mond geerntet. An der ETH Zürich wurden hierzu unter Professor Zürcher mehrjährige Versuche mit Mondholz durchgeführt. Es konnten die materialtechnischen Vorteile wie z.B. die wesentlich längere Haltbarkeit und höherer Schutz gegen Pilze und Insekten durch Mondholz nachgewiesen werden. Dazu weisen Grazer Wissenschaftler aus der Medizin rund um Prof. Maximilian Moser in einem Forschungsprojekt nach, dass hölzerne Räume das Herzstärken, die Herzvariabilität verbessern, den Pulsschlag im Schlaf beruhigend senken, das Immunsystem stärken und letztlich das Leben nicht nur verlängern, sondern bis ins hohe Alter gesund halten. Erwin Thoma konnte aufzeigen, dass in Bäumen mehr steckt, als wir denken und die Diskussion um die umstrittene Wirkung von Mondholz für sich gewinnen.

„Bäume und das jahrtausendealte Wissen von Mutter Natur können auf so viele Fragen unserer Zeit eine Antwort geben“, so Thoma. Bäume sind einfach da, sie begleiten uns und leben mit uns: im Park, im Garten, im Wald und am Wegesrand. Die Geheimnisse dieser Bäume und Wälder aufzuspüren und für uns Menschen zu nutzen – das ist das Ziel von Erwin Thoma.  So beschreibt er Bäume wie Lebensgefährten, denn es sind seine gelebten Erfahrungen mit Bäumen. Damit diese Erfahrungen nicht nur als seine Intuition oder gar als Esoterik „abgestempelt“ werden, gründete er sein eigenes Forschungsinstitut, um auch wissenschaftliche Belege seines Wissens liefern zu können. So stand beispielsweise die Baukunst der roten Waldameise im Mittelpunkt eines gemeinsamen Forschungsprojektes mit dem Institut für Thermodynamik in Graz. Dabei konnten zentrale Ergebnisse gesammelt werden, die den Hausbau dämmstoff- und technikfrei sowie energieautark machen und beim Bau des Filmarchiv Austria (Hauptsitz in Wien, das Archiv ist in Laxenburg) 2007 sogleich berücksichtigt wurden.

Thoma ist als Gastredner auch auf medizinischen Kongresse gern gesehener Redner, um von seinem Wissen über die Sprache der Bäume zu berichten. Seine Vorträge stecken an, machen deutlich, wie wichtig die Natur in unserem Leben ist. „Die Natur steckt voller Überraschungen und ist der beste Lehrmeister zugleich. Lassen wir die Bäume wieder Teil unseres Lebens sein, um von ihren Kräften zu profitieren“, bekräftigt Thoma – und dies mit einem Strahlen im Gesicht.

Autor:

Andreas Paersch

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