5 einfache Tipps gegen Nackenschmerzen

von Birgit Terletzki, Ergonomieberaterin und Stressbewältigungstrainerin

Nackenverspannungen und Rückenschmerzen ranken seit Jahren auf Platz 1 in den jährlichen Auswertungen der Arbeitsunfähigkeitstage nach Krankheitsarten der Krankenkassen.

Mittlerweile sind mehr als 80 % aller Deutschen, inklusive Schüler, davon betroffen, Tendenz steigend.


Kein Wunder, denn unser Alltag wird vom Sitzen bestimmt. Bereits unsere Schulanfänger müssen sich - entgegen der Natur - nun mindestens 4 / 5 Stunden am Tag dem anpassen. Zudem kommt noch der Schulranzen hinzu - und schon haben wir wieder viele Menschen - die heute vielleicht noch rückengesund sind - morgen aber zu den Rückenpatienten zählen - „gebeugt“.

 

Schauen wir doch mal zurück. Unsere Vorfahren, die Jäger und Sammler waren früher bis zu 20 km pro Tag zu Fuß unterwegs, aber auch noch vor 100 Jahren sind die Menschen 8 Stunden täglich körperlicher Arbeit nachgegangen. Erst mit der rasanten Digitalisierung und dem weitergehenden technischen Fortschritt begann unser Leid. Heute sitzen wir im Durchschnitt 6 Stunden / Tag - das bedeutet 80.000 Stunden pro Arbeitsleben. Wir sitzen quasi lebenslänglich, ohne jemals dazu verurteilt zu werden.

 

Doch unser Körper ist evolutionsbedingt nicht aufs Sitzen konditioniert. Er muss sich bewegen, um gesund zu bleiben. Man kann das auch mit einem Fluß vergleichen. Fließt das Gewässer, ist das Wasser mit Sauerstoff angereichert und alles darin bleibt in Bewegung. Sobald das Gewässer aber „steht“ stirbt darin auch alles ab. Und genauso ist es mit unserem Körper. Bleibt er in Bewegung, strömt Sauerstoff hinein, der Stoffwechsel funktioniert, die Organe können ihren Funktionen nachgehen, die Muskeln bleiben beweglich. Sobald wir aber ruhen, wird der Stoffwechsel und die Durchblutung heruntergefahren, es gelangt kein Sauerstoff in unseren Organismus, die Organe fahren ebenfalls ihre Funktionen herunter und nicht gebrauchte Muskeln und Gelenke schrumpfen, verkürzen sich, erschlaffen und Schmerzen und Verspannungen entstehen.

 

Doch nicht nur der Bewegungsmangel ist Ursache für Nackenverspannungen. Durch das stundenlange Arbeiten am Computer ermüden die Augen, wir ziehen die Schultern hoch und die für den Körper ungesunde Haltung versuchen wir durch eine ungünstige Sitzhaltung zu kompensieren.

 

Ein weiterer Punkt für Verspannungen im Nacken ist das ständige „Aufs Handy oder Tablet schauen“. begünstigen die Schmerzen in unserem Schulter – und Nackenbereich. Um auf den Bildschirm des Smartphones zu schauen, senkt man den Kopf etwa um 60 Grad - das bedeutet, dass etwa 30 kg Gewicht auf den Rücken einwirken. Die britische Marketing Agentur Tecmark soll anhand einer Studie herausgefunden haben, dass der Handynutzer bis zu 214mal pro Tag aufs Handy schaut. 214 mal 30 kg pro Tag muss unser Rücken aushalten! Das das auf die Dauer nicht gutgehen kann, ist wohl an dieser Stelle jedem klar.

Aber auch wir Frauen sollten einen Aspekt nicht vergessen - unsere zentnerschweren Handtaschen, die wir uns täglich über unsere Schulter hängen. Auch das führt zwangsläufig zu Verspannungen und Schmerzen.

 

Doch was tun, damit die lästigen Verspannungen im Nacken aufhören?

 

BAUE IN REGELMÄSSIGEN ABSTÄNDEN EINE AKTIVE PAUSE EIN.

Das soll heißen, dass du in dieser Zeit 2 bis 4 Übungen für einen entspannten Nacken durchführst. Es gibt doch so viele Übungen, die du leicht am Schreibtisch, im Flieger / Zug oder auch im Auto machen kannst. 

 

TRINKE AUSREICHEND WASSER.

Das mag im ersten Moment etwas eigenartig klingen. Aber das Skelett besteht zu mehr als 70 % Wasser. Das heißt also, auch unsere Muskeln,Gelenke und Knochen benötigen ausreichend Flüssigkeit um gesund und beweglich zu bleiben. Noch zudem das Wasser als Transportmedium dient. Es transportiert Nährstoffe in die Knochen und transportiert Verbrauchtes, also Abfallprodukte wieder ab. Und wenn nicht ausreichend Wasser vorhanden ist, kann auch nichts in die Knochen, Gelenke usw. hinein transportiert werden.

 

RÄUME DEINE HANDTASCHE AUS!

Dieser Tipp richtet sich an uns Frauen. Wenn du dich also angesprochen fühlst, dann räum deine Handtaschen aus. Reduziere sie auf das Wesentlichste. Überlege dir was du WIRKLICH brauchst und steige am besten auf eine kleinere Handtasche um. Dann ist die Gefahr nicht so hoch, dass du zu viel mit dir herum trägst.

Durch das ständig ziehende Gewicht, dass auf den Schultern lastet, verkrampft sich die Muskulatur und wird schlechter durchblutet. Das führt zu verhärteten, schmerzende aber auch verkürzten Muskeln. Und aufgrund dessen lassen oft auch die Kopfschmerzen nicht lang auf sich warten.

 

VERMEIDE ZUGLUFT

Klimaanlagen und Zugluft sind häufige Ursachen für Nackenverspannungen, denn die Muskulatur kühlt aus. Und als Folge der Unterkühlung verkrampfen sich die Muskeln und beginnen zu schmerzen. Solltest du also der Meinung sein, dass Zugluft für deine Verspannung verantwortlich bist, dann lege dir ein im Backofen erwärmtes Kirschkernkissen auf den Nacken oder nimm ein entspannenden warmes Bad.

Kannst du auf diese beiden Varianten im Moment nicht zugreifen, dann kann die Übung „Schulterkreisen“ für Linderung sorgen:

Stelle (hier die Beine leicht beugen) oder setze dich aufrecht hin, lockere die Schultern und lasse sie nun locker nach unten hängen. Nun beginnst du die Schultern für ca. 2 Minuten abwechselnd nach hinten und nach vorn zu kreisen. Achte darauf, dass der Rücken gerade bleibt. Durch das Schulterkreisen wird der Nacken dynamisch gedehnt und die Durchblutung angeregt.

 

VERMEIDE STRESS

Stress jeglicher Art bedeutet für den Körper Anspannung und das äußert sich bei den Meisten mit Verspannungen im Nackenbereich. Dabei ist es egal, ob du beruflichen, familiären oder psychischen Stress hast. Alles was den Körper auf Dauer aus dem Gleichgewicht bringt, bedeutet Stress. Um Stress abzubauen, hilft Bewegung, ein Spaziergang an der frischen Luft, Yoga aber oder ein Besuch einer Komödie, wo du viel Lachen kannst. Alles was ein Ausgleich zu dem ist, was dir Stress bereitet. Wenn du allerdings immer wieder in solch eine Situation gerätst, dann solltest du dir Gedanken machen, wie du stressige Situationen am besten meiden bzw. managen kannst.


Autorin:
Birgit Terletzki (Autorenprofil)



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