Heilpflanzenanwendungen bei Kindern

Gastbeitrag von Stella Reimers

In der Kinderheilkunde werden Heilpflanzen und Hausmittel noch (und wieder) sehr viel verwendet. Kleine Kinder vertragen viele chemische Medikamente nicht und inzwischen ist es auch ins Bewusstsein vieler Eltern gedrungen, dass zu viele Antibiotika in zu jungen Jahren Kindern mehr schaden als nützen. Bei Kinderkrankheiten kann man sehr viel mit Heilpflanzen arbeiten.

Fotolia_114258955 lukasbeno
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Dabei ist es aber wichtig zu wissen, welche Dosierungen angemessen sind und welche Pflanzen von Kindern nicht vertragen werden. Ich erlebe immer wieder dass in Elternforen oder sozialen Netzwerken unbedacht Tipps ausgetauscht werden, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich für kleine Kinder sein können, denn auch Heilpflanzen haben Nebenwirkungen. Wer sein Kind mit Heilpflanzen behandeln möchte, sollte sich an einen guten Kinderarzt oder Heilpraktiker wenden, sich gute Fachbücher anschaffen (z.B. „Heilpflanzen in der Kinderheilkunde“ von Bühbring/Beiser/Girsch, „Phytotherapie in der Kinderheilkunde“ von Schilcher/Dorsch oder „SOS Hustenzwerg“ von Ingrid Kleindienst John) oder sich selbst in dem Bereich fortbilden.

Bei Heilpflanzentees gilt die Faustregel 1/8 Dosierung für Säuglinge, ¼ für Kleinkinder und ½ für Grundschulkinder, aber es gibt viele Teedrogen, die von Kindern gar nicht gut vertragen werden, man sollte sich also immer genau informieren. Ähnlich sieht es mit ätherischen Ölen aus, viele Öle,

die Erwachsene bei  Erkrankungen der Atemwege einsetzen (Eukalyptus, Minze, Kampher, Salbei...) können einen 

Melisse, Bild Stella Reimers
Melisse, Bild Stella Reimers

lebensbedrohlichen Stimmritzenkrampf bei Kindern unter 3 Jahren auslösen und sollten daher für kleine Kinder nicht verwendet werden. Erkältungssalben werden stattdessen mit Lavendel, Thymian linalool, Anis, Fenchel oder Majoran hergestellt. Lavendelöl ist auch schlaffördernd und kann als leichte Einreibung (ganz gering dosiert) oder als Raumspray benutzt werden, wenn die Kinder Einschlafschwierigkeiten haben.
Wer Alkohol meiden möchte, kann viele Pflanzen auch stattdessen in Honig einlegen (ab einem Alter von einem Jahr). Ich war überrascht wie schwierig es ist im Handel einen Hustensaft ohne Alkohol für kleine Kinder zu bekommen. Einfach Thymian, Spitzwegerich, Zwiebel oder Kappuzinerkresse (oder eine beliebige Mischung) mit Honig bedecken, über Nacht ziehen lassen und dem Kind mit dem Löffel geben oder in etwas warmen Wasser zum trinken geben.

Bei Magen und Darmbeschwerden ist vor allem das Kümmelöl für Säuglinge sehr bekannt, auch das lässt sich ganz einfach selbst herstellen. Kümmelfrüchte im Mörser anstoßen und mit Öl übergießen (z.b. Olivenöl), dann drei Wochen stehen lassen und abseihen. Im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel kreisend auftragen und meist lösen sich die Blähungen dann schnell auf. Auch Kamillentee wird von Kindern meistens gut vertragen (sofern keine Korbblütlerallergie besteht) und kann bei fast allen Beschwerden des Verdauungstraktes eingesetzt werden (in entsprechender Verdünnung). 

Ringelblume, Bild Stella Reimers
Ringelblume, Bild Stella Reimers

Bei Durchfall gibt es neben dem guten Hausmittel des geriebenen Apfels (das Pektin bindet Giftstoffe und Bakterien im Darm und führt sie ab) auch die Möglichkeit getrocknete (auf keinen Fall frische) Heidelbeeren als Tee zu verabreichen, hier ist es aber wichtig, dass die Dosierung hoch genug ist: 3 gehäufte Esslöffel mit ca. 400 ml Wasser 10 Minuten köcheln lassen und dann über den Tag verteilt trinken lassen.Es gibt aber auch Heilpflanzen, die bei Kindern ebenso verwendet werden wie bei Erwachsenen,  insbesondere im äußeren Bereich: z.B. Melissencreme bei Herpes, Johanniskrautöl bei Sonnenbrand oder Ringelblumenalbe bei kleineren Verletzungen. Bei einem wunden Po hat sich sehr starker schwarzer Tee bewährt (20 Minuten ziehen lassen und abgekühlt auftragen). 

Bei Verstauchungen, Prellungen oder Blutergüssen sollte man bei kleineren Kindern lieber auf Beinwell als auf Arnika zurückgreifen, da die Allergieneigung bei kleinen Kindern bei Arnika sehr hoch ist. Soweit ein kleiner Einblick in die Heilpflanzenanwendungen bei Kindern, wie die Phytotherapieallgemein ein tolles aber auch sehr umfangreiches Feld. Es ist schon schön zu sehen, wie die Natur für uns sorgt und wieviele Pflanzen wir haben, die uns gesund halten und Krankheiten heilen können. 


Gastbeitrag von Stella Reimers, Stella Reimers, Leiterin der Heilpflanzenschule Schleswig-Holstein

 

Weitere Informationen: Portrait der Schule