Bitter nötig - Bitterstoffe in der Nahrung

Gastartikel von Anke Weishaupt, zertifizierte Fachberaterin für holistische Gesundheit und ärztlich geprüfte Fastenleiterin

"Das hast Du bitter nötig" - dieser Satz klingt wohl so manchem noch in den Ohren aus der Jugendzeit, wenn es bspw. um den Lernwillen für Lieblingsfächer wie Mathe oder Latein ging. Oh, wie habe ich es geliebt...

 

Aber auch in der Ernährung spielt das "Bitter notwendig" eine große Rolle! Doch die sogleich gefühlte Ermahnung ist dabei völlig unbegründet, denn Bitterstoffe sind für unseren Organismus richtig gut!  

 Fotolia 138680365 | Urheber: guitou60
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Kennen Sie denn überhaupt noch "bittere" Nahrung? Wohl kaum mehr, denn Bitterstoffe sind in unserer Ernährung nahezu verschwunden! So wurden aus vielen der uns bekannten Gemüsesorten wie bspw.  der Gurke und den Möhren die Bitterstoffe zu Gunsten eines angeblich besseren Geschmacks herausgezüchtet. Wildkräuter wurden zum „Unkraut“ deklariert und rigoros aus Feldern und Gärten vertrieben. Auf verschiedenen Tellerrändern führen sie manchmal noch ein trauriges Deko-leben…

 

Dabei sind Bitterstoffe ein wahrer Segen für unseren Magen-Darm-Trakt und haben gleich eine doppelte Rolle und Aufgabe übernommen! Einerseits pflegen sie wie bereits erwähnt unseren Magen-Darm-Trakt, regen die Verdauung an und unterstützen unsere Leber in ihrer Funktion und Regenerationsfähigkeit, andererseits fungieren sie als Wachposten und warnen uns vor potentiell giftigen Substanzen.

 

Und ob Sie es nun glauben oder nicht, genau aus diesem Grund wurden für den „Bitter-Geschmack“ rund 35 Rezeptoren geschaffen, die in der Lage sind, sämtliche bitter-Abstufungen herausfiltern und hinsichtlich genießbar oder ungenießbar einzustufen zu können. Diese Rezeptoren befinden sich dabei nicht nur auf der Zunge, sondern auch auf den Abschlussgeweben der Lunge, Nase, Haut und sogar dem Hoden, der Blase und natürlich des Darms. Übrigens - demgegenüber müssen sich die anderen Geschmacksrichtungen „süß“, „sauer“ oder „salzig“ mit jeweils nur einem Rezeptor "begnügen".

 

Wenn nun diese Bitterstoffe aus unseren Lebensmitteln verschwinden, so reagiert schon mal die eine oder andere Zunge damit, dass sie den Geschmackssinn für Bitter einfach verliert. Hier spricht man dann von der Bitter-Blindheit, die sich auf die Gesundheit des Betroffenen durchaus schlecht auswirken kann.

 

Bitterstoffe interagieren mit den Rezeptoren auf der Zunge und den zuständigen Nerven im Zentralen Nervensystem und sorgen so für eine vermehrte Ausschüttung von Verdauungssäften wie z.B. Pankreasenzymen oder Gallensäure. Gallensäuren werden aus Cholesterin gebildet, so dass ein vermehrter Ausstoß wiederrum einen regulierenden Effekt auf den Cholesterinhaushalt hat. Der gesamte Magen- und Darm-Trakt wird aktiviert – die Verdauung wird beschleunigt. Das Milieu und die Kommunikation im Darm wird verbessert und damit die Diversität gefördert. Über jene 35 Bitterstoffrezeptoren wird ebenso die Ausschüttung von antimikrobiellen Peptiden stimuliert, so dass pathogene Keime erkannt und eliminiert werden können. Dadurch wird viszerales Fett überflüssig und abgebaut. Das steigert unser Wohlbefinden und auch die Stimmung wird verbessert, denn unser Darm kommuniziert über die mittlerweile und wohl bekannte Darm-Hirn-Achse mit unserem Gehirn.

 

Aber damit sind wir noch nicht am Ende mit dem Hoch auf die Bitterstoffe. Forscher haben nämlich auch herausgefunden, dass sich die Darmflora (also die Art der vor allem im Dickdarm vorkommenden Bakterienstämme) von schlanken und übergewichtigen Menschen deutlich unterscheidet. Doch wer jetzt glaubt, man könne durch die Verabreichung spezieller Bakterienstämme nun den Wendepunkt zum Abnehmen oder Schlank werden erreichen, der irrt. Vielmehr passt sich die Verteilung aller Mikroorganismen im Dickdarm – also die Darmflora – durch Feinanpassung an den jeweiligen Menschen und seine Lebensbedingungen individuell an.

Mag sein, dass es nun enttäuschte Gesichter gibt. Aber, letztlich ist es doch eine gute Nachricht, dass wir alleine und nur durch eine Veränderung unserer Lebens- und Essgewohnheiten auch das Wohlfühlgewicht wieder erlangen können. Probieren Sie es doch einfach mal aus. Denn: sauer macht zwar nicht lustig, bitter aber schon!

 

 

Gastbeitrag:

Anke Weishaupt (Profil)

Anke Weishaupt
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