Fit im Frühling mit Ayurveda

Gastartikel von Nancy Dubourg, Ayurveda-Köchin und -Therapeutin, Gesundheitscoach

Vasant, der Sanskrit Name für Frühling steht auch für Freude und neue Kraft.

 

Ein neues Leben, eine neue Chance, ein neuer Beginn: in vielen Kulturen fängt das Jahr im Frühling an. Es gilt, die Altlasten abzustreifen. Der populäre Ausdruck dafür lautet Winterspeck. 

#121915742 | © barmalini - Fotolia.com
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Was wir im Winter an Energie/ Kalorien gebraucht haben, um unseren Immunsystem stabil zu halten und genug Wärme zu speichern um der Kälte zu trotzen wird jetzt zur Last: Wenn es für einige Zeit deutlich wärmer wird, schmilzt buchstäblich der Speck und belastet unsere Gesundheit durch die Zirkulation im Körper von toxischen Schlacken. Solche Schlacken, im Ayurveda „Ama“ genannt verursachen Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, ein Gefühl der Schwere, wenig Appetit, eine träge Verdauung, je nach Konstitution harten oder schleimigen Stuhlgang, eine belegte Zunge, Wassereinlagerung in den Beinen, Verschleimung der Atemwege, Kopfschmerzen, Schnupfen. 

Nach der Lehre des Ayurveda besteht der Mensch aus der gleichen Substanz wie das Universum. Die 5 Elemente (Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde) äußern sich im Körper durch 3 feinstoffliche Bio-Energien – die Doshas. In jedem Menschen wirkt eine bestimmte Konstellation der 3 Doshas, welche seine körperlichen und psychischen Eigenarten, sein Aussehen sowie Krankheitsanfälligkeiten prägen – somit hat jede(r) von uns eine einzigartige, individuelle Konstitution, da die Doshas immer in einem anderen Verhältnis zueinander vorliegen. Die Doshas heißen Vata, Pitta und Kapha. Vata besteht aus Luft und Raum, Pitta aus Feuer und Wasser, Kapha aus Erde und Wasser.

 

Aber nicht nur unser Körper wird von den Doshas beeinflusst, sondern auch der Zyklus der Jahreszeiten: von Juni bis Oktober ist die Pitta-Zeit, die Vata-Zeit ist von November bis Februar, ab Februar bis Juni herrscht die Kapha-Energie.

 

Im Ayurveda ist das Anpassen der individuellen Ernährung an die Jahreszeiten ein wichtiger Aspekt der Gesundheitsprophylaxe. Wir wissen das auch schon intuitiv, denn im Sommer haben wir nicht unbedingt Lust auf Rotkohl oder im Winter auf kalte Melone. Besonders in den Übergangszeiten, also am Anfang einer Dosha-Zeit, braucht unser Körper mehr Zeit und Ruhe und eine leichte Entgiftungskur, um sich besser den Herausforderungen der neuen Jahreszeit zu stellen.

 

Ein wichtiges Prinzip im Ayurveda lautet: „Gleiches verstärkt Gleiches“ deshalb sollten gerade in der Kapha-Zeit Maßnahmen zur Reduzierung vom Kapha vorgenommen werden, unabhängig der individuellen Konstitution, obgleich „Kapha-Typen“ von Ama besonders gefährdet sind. Die Frühjahrsernährung soll der Entschlackung und Anregung des Verdauungsfeuers, „Agni“ genannt dienen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, zum Beispiel eine Woche ohne Salz, Süßes und saure Speisen. Dies reduziert Kapha und wirkt sehr anregend auf den Stoffwechsel. 

 

Scharf, bitter und herb sind die Geschmacksrichtungen des Frühlings, um unseren Stoffwechsel anzukurbeln. Scharf entfacht das Verdauungsfeuer, hilft beim Fettabbau, entgiftet und entschlackt, und wirkt desinfizierend. Bitter ist unersetzlich für die Verdauung. Magen, Dünndarm und Leber funktionieren mit Hilfe von Bitterstoffen besser, können besser verstoffwechseln und Brauchbares von Unbrauchbarem trennen. Herb schmeckende Pflanzen besitzen einen hohen Anteil an Gerbstoffe, welche zusammenziehend und austrocknend wirken. Wassereinlagerungen werden ausgeschwemmt, herb ist heilungsfördernd und reinigend!

 

Frische Kräuter, Salat, Wild- und Blattgemüse haben viele Bitterstoffe und fördern durch ihre zusammenziehenden Wirkstoffe den Reinigungsprozess. Gewürze wie Chili, Ingwer (frisch und getrocknet), Bockshornklee, Basilikum und Pfeffer beheben übermäßige Verschleimung, stärken Agni und helfen Schlacken zu vermeiden. Safran, Asafoetida (Hing oder Stink-Asant), Kreuzkümmel und Kurkuma, Kardamom und schwarze Senfsamen sind ebenfalls empfehlenswerte Gewürze für den Frühling.

 

Empfohlene Lebensmittel sind Artischocken, Auberginen, Blumenkohl, Chinakohl, Erbsen, Fenchel, Pak choi, Rettich, Spargel, Spitzkohl, Stangensellerie, Weißkohl und alle grüne Blattgemüse. Basmatireis, geschälte Mungbohnen, rote Linsen, leichte gekochte Speisen und Suppen sind günstig.

 

Reduzieren Sie kalte Getränke und Speisen, Schweres, Gebratenes, Frittiertes, fette Speisen, viel Salz, reine Rohkost, rohe Getreidemüsli, Käse, Quark, Milch, Süßigkeiten, Weizen- Dinkel- und Weißmehlprodukte, Bananen. Für Nicht-Vegetarier: Fleischkonsum einschränken und auf Schweine- und Rindfleisch verzichten. Schwere Gemüsesorten wie Kartoffeln, Tomaten, Paprika sollten in der Kapha-Zeit gemieden werden.

 

Trikatu („die drei Scharfen“) ist ein sehr wirksames Mittel zum Ausleiten und Reinigen. Sie wirkt stark erhitzend, regt die Zirkulation in allen Körperkanälen an und fördert Stoffwechsel, Verdauung und Entschleimung. Sie besteht aus langem Pfeffer (Pippali), schwarzem Pfeffer und getrocknetem Ingwer mischen. Anwendung: 1-3x täglich je ½ Teelöffel des Pulvers (Trikatu Churna) mit etwas Honig und warmem Wasser vermischt einnehmen.

 

Als Getränke zur Aktivierung der Verdauung und des Stoffwechsels eignet sich am Morgen heißes Ingwer-Wasser mit etwas Zitronensaft und Honig. Wichtig ist hier jedoch, dass der Honig erst hinzugegeben werden soll, wenn der Tee auf Körpertemperatur abgekühlt ist, sonst erzeugt er Ama. Zwei Scheiben frischen Ingwer (oder der regelrechte Fettkiller Ingwerpulver) in einer Tasse heißem Wasser ca. 10 Min. ziehen lassen, dann etwas Zitronensaft und Honig hinzufügen. Über den Tag verteilt (aber nicht direkt vorm Essen, und frühestens ½ Stunde nach dem Essen) stärkt heißes Ingwer-Wasser die Verdauungskraft und hilft dem Körper, die Nahrung besser auszuwerten und Schlackenstoffe auszuscheiden. Wer keinen Ingwer verträgt kann gekochtes Wasser trinken.

 

Khichari-Monodiät

Eine Khichari-Kur ist eine einfach durchzuführende Monodiät und auch eine sehr gute Alternative zum sanften Entschlacken: zwischen 7 und 30 Tage mittags und abends eine Portion Khichari verzehren. Auch ideal nach langer, auszehrender Krankheit und nach einer Schwangerschaft, um die Kräfte wieder herzustellen. Das Rezept finden Sie rechts.

 

Weitere Ernährungsempfehlungen

Essen Sie nur, wenn Sie wirklich Hunger haben. Lassen Sie Zwischenmahlzeiten ausfallen und nehmen wenn Sie Hunger haben statt dessen lieber süßes, reifes Obst zu sich: z.B. Äpfel, Birnen, Datteln, getrocknete Aprikosen und eingeweichte Rosinen. Essen Sie erst wieder, wenn die letzte Mahlzeit vollständig verdaut ist (ca. 4-5 Stunden), sonst bilden sich wieder Schlacken. Würzen Sie gut, denn Gewürze stimulieren die Verdauung.

Das Rezept: Khichari mit Gemüse

 

Khichari reinigt den Körper, gibt Kraft und ist sehr gut geeignet als Abendmahlzeit. Es ist eine

hervorragende Aufbaukost während oder nach einer Krankheit. Man kann jedes Gemüse dafür

verwenden: Pastinaken, rote Bete, Zucchini, etc. Mit mehr Flüssigkeit ergibt das Rezept eine wunderbar

wärmende Suppe für kühle Abende.

 

Zutaten für 4 Personen

200 g Basmati-Reis

100 g gelbe Mungbohnen

1 große Karotte

100 g grüne Bohnen (TK)

1 Fenchelknolle

4 EL Ghee

2 TL Kreuzkümmelsamen, ganz

1 TL Fenchelsamen, ganz

1 TL Senfsamen, ganz

1 EL frischer Ingwer, fein gehackt

1 TL Koriandersamen, gemörsert

2 TL Kurkuma

2 Msp. Asafoetida

1 Msp. Cayennepfeffer

1 Liter heißes Wasser

zum Schluß: 1 TL Steinsalz

Saft einer Zitrone

gehackte Petersilie oder Basilikum

 

 

  • Reis und Mungbohnen in einem Sieb unter fließendem Wasser waschen, abtropfen

  • das Gemüse waschen/ schälen und in Würfelchen schneiden

  • Ghee in einem Topf erhitzen, Kreuzkümmel, Fenchelsamen und Senf hinzufügen und kurz rösten

  • nun die übrigen Gewürze dazugeben und wenige Sekunden rösten

  • das Gemüse kurz anbraten, Reis und Mungbohnen dazugeben und auch anbraten

  • mit dem Wasser aufgießen, umrühren und zum Kochen bringen!! KEIN Salz geben!!

  • den Kichari im geschlossenen Kochtopf 30 min. sanft köcheln lassen

  • ab und zu vorsichtig umrühren

  • wenn die Flüssigkeit verkocht ist, mit Steinsalz und Zitronensaft abschmecken

  • mit viel frischen Kräutern servieren

  • mit etwas schwarzem Salz (Kala Namak) schmeckt es auch köstlich!


Trockenmassagen wie z.B. mit Rohseidenhandschuhe (Garshan) unterstützen die Reinigung aller Gewebsschichten von Schlacken und regen die Lymphzirkulation an. Aber auch eine Ölmassage wie die Abhyanga unterstützt die Entgiftung.

Versuchen Sie vor sechs Uhr aufzustehen, denn wer noch die Kapha-Zeit von 6 bis 10 Uhr im Bett verbringt, verstärkt Lethargie und Antriebslosigkeit, die Nase kann verstopft sein, Müdigkeitssymptome verstärken sich sogar noch. Moderate sportliche Aktivität ist im Frühling sehr zu empfehlen, am besten an der frischen Luft. 

 

 

Gastartikel von Nancy Dubourg,

Ayurveda-Köchin und -Therapeutin, Gesundheitscoach

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